8 Märchentitel oder: Warum heißt du eigentlich so?

Heute will ich mal einige Märchentitel genauer beleuchten:

  1. Aschenputtel: Die erste Frage, die sich mir stellt, ist, ob es ein Puttel gibt und was das wohl sein könnte. Was ich fand, ist das veraltete Verb putteln, das ein Synonym für wälzen ist. Aschenputtel ist also die, die sich in der Asche wälzt. Der Alternativname Aschenbrödel geht auf brodeln zurück, das kochende Wasser in der Küche.
  2. Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich: Hier vermute ich, dass kaum jemand den gesamten Titel des Märchens kennt. Wer ist überhaupt der „eiserne Heinrich“? Das ist der Diener desjenigen Herrn, der später in einen Frosch verwandelt wurde. Als dies passierte, ließ sich der eiserne Heinrich drei „eiserne Bande“ um sein Herz legen. Daher sein Name.
  3. Der gestiefelte Kater: Wenn es das Partizip gestiefelt gibt, dann muss es doch auch ein Verb geben, das stiefeln lautet, oder? Gibt es auch, aber Grundlage für den Kater ist das ausgestorbene Verb sich stiefeln für ‘Stiefel anziehen‘. Heute allerdings käme es uns komisch vor, einen Satz zu hören wie: „Schatz, ich bin gleich da, muss mich nur noch eben stiefeln.“
  4. Die Sterntaler: Erleuchtung! Ich dachte immer, das Märchen hieße nur Sterntaler, ohne Artikel, und dass es sich dabei um den Namen des Waisenkindes handele. Aber mit Artikel ist das ganze natürlich sinnvoller: Die Sterntaler sind die Taler, die Geldstücke, die vom Himmel regnen. Eine Neuauflage könnte also Die Sternmünzen oder Die Sterneuros heißen.
  5. Dornröschen: Diese schlafende Schönheit ist mit dem gesamten Schloss umgeben von dichten Dornenhecken, die sich nach 100 Jahren in Rosen verwandeln. Dornen + Rosen + niedlich = Dornröschen. Das ist übrigens eine deutsche Kreation, denn die Originalgeschichte stammt aus dem Französischen: La belle au bois dormant (‘Die Schöne schlafend im Wald‘).
  6. Frau Holle: Kissen ausschüttelnd ist sie berühmt geworden, mindestens 1000 Jahre alt und äußerst sagenumwoben ist die Herkunft ihres Namens. Im Rennen: a) die Bedeutung ‚Huldvolle‘ (Synonyme zu huldvoll: gnädig, wohlwollend) als Beiname der nordischen Göttin Frigg, Schutzherrin der Ehe und Mutterschaft, b) Verbindung zur germanischen Totengöttin Hel (Name verwandt mit Hölle, siehe Englisch) und c) zur germanischen Göttin Nehalennia (Göttin der Fruchtbarkeit und Schifffahrt). Ich weiß nicht, wie sich Frau Holle aus dem Märchen mit Hölle, Fruchtbarkeit und Schifffahrt verbinden lässt, aber bitte. Nur zu.
  7. Rapunzel: Wie gern würde ich auch wie ein Feldsalat heißen – vielleicht sollte ich mich Rauke nennen?! Der Name der Langhaarigen kommt vom mittellateinischen rapuncium oder rapuntium. Dies wiederum ist eine Zusammensetzung aus lat. radix ‘Wurzel‘ und griech. phu ‘Baldrian‘. Unsere Rapunzel aus dem Märchen hat den Namen ihrer Mutter zu verdanken, die im schwangeren Zustand rapunzelsüchtig ist.
  8. Schneewittchen: Schnee ist klar und witt heißt ‚weiß‘. Zunächst hieß das Märchen Schneeweißchen, aber vermutlich wegen der Verwechslungsgefahr mit Schneeweißchen und Rosenrot bekam es zunächst den plattdeutschen Titel Sneewittchen. Durchgesetzt hat sich aber die hoch-/plattdeutsche Mischform. Das Mädel hat seinen Namen wegen der Zeilen: „so weiß wie Schnee, so rot wie Blut, und so schwarz(haarig) wie Ebenholz“. Ich finde, man hätte sie dann auch Blutrötchen oder Ebenholzschwärzchen (oder halb plattdeutsch Ebenholzswattchen) nennen können.

Vornamen in Deutschland

1149585_469342423183819_1734983470_oMann, das wurde aber auch Zeit. Heute geht’s nach zweimonatiger Pause weiter, und zwar mit einem Thema, das uns alle betrifft: Vornamen. Jede_r hat einen, jede_r braucht einen. Ohne Vornamen könnten wir praktisch gar nicht existieren. Bei der Namensgebung ist ziemlich viel erlaubt, aber vieles auch nicht. Hier ein paar Fakten rund um deutsche Vornamen: Weiterlesen