Geh(e) doch! – Imperativ mit e

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Immer wieder die selbe Frage: Steht nun ein e am Ende des Imperativs oder nicht?

  • Schreib(e) dir das ab!
  • Hör(e) auf mich zu nerven!
  • Sag(e), was du wirklich willst!

In diesen Sätzen hätte ich dann auch schon Verben abgehakt, bei denen es schlichtweg egal ist. Ob mit oder ohne e spielt hier keine Rolle. Also schreib(e) doch einfach so, wie du möchtest!

Nicht egal ist es bei den Verben, die im Präsens einen Wechsel von e zu i haben:

  • geben: ich gebe, du gibst
  • werfen: ich werfe, du wirfst
  • essen: ich esse, du isst

Das leuchtet schnell ein, denn die folgenden Sätze klingen doch ziemlich befremdlich:

  • *Gibe mal den Ball her!
  • *Wirfe ihn mir zu!
  • *Isse nicht immer so viel!

Die korrekten Formen lauten hier: gib!, wirf! und iss!

Wenn natürlich im gesprochenen Deutsch dieser Vokalwechsel nicht mehr vollzogen wird (*ess!), dann klingt auch der Imperativ mit e-Endung nicht mehr so falsch (*esse!). Ist er aber trotzdem.

Schließlich gibt es Verben, die ohne e nicht auskommen:

  • Zeichne mir ein Schaf! (Na, wer kennt das Zitat?)
  • Atme tief ein und aus!
  • Binde deine Schuhe vernünftig zu!
  • Bete und arbeite!
  • Würf(e)le endlich!
  • Trau(e)re nicht wegen so einer Lappalie!

Welche Regeln stecken dahinter?

Eine Regel lautet: Man muss das Wort noch aussprechen können. Zum Beispiel bei Verben, deren Stamm auf eine Kombination aus Konsonanten enden, von denen der letzte ein m oder n ist (zeichnen, atmen, rechnen usw.). *Zeichn!, *atm!, *rechn! geht gar nicht.

Eine zweite Regel lautet: Der Infinitiv endet auf –eln oder –ern: schlendern, würfeln, wandern, ändern usw. Bei der Endung –eln kann dafür das e im Stamm wegfallen, muss es aber nicht:

  • Samm(e)le nicht alle Pilze auf!
  • Tröd(e)le nicht schon wieder!

Die dritte und letzte Regel lautet: Der Stamm endet auf d oder t:

  • Reite doch, wohin du willst!
  • Rede doch nicht nur davon!
  • Flirte doch, mit wem du willst!

Hier kann man auf das e nicht verzichten, außer vielleicht in der Poesie oder in der Umgangssprache:

  • Red‘ nicht so einen Müll!
  • Wart‘ nicht auf mich!

Abschließend möchte ich direkt auf die von mir gesetzten Apostrophe in den letzten Beispielen eingehen. Sie zeigen an, dass da etwas fehlt, was da eigentlich hingehört, nämlich das e. Bei den Imperativen, bei denen nichts fehlt, wird also auch kein Apostroph gesetzt:

  • *Wirf‘ mal den Ball rüber!
  • *Leg‘ dich hin!
  • *Tanz‘ mit mir!

Diese Apostrophe sind unsinnig. Lass sie weg!

Willst du noch mehr über Imperative wissen? Dann schau dir doch mal diesen uralten Artikel an!

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11 Kommentare zu “Geh(e) doch! – Imperativ mit e

  1. Ist ja ein Klugscheißer-Blog, oder?
    Ich meine „Trauere nicht wegen so einer Lappalie“ müsste es heißen nicht „eine“….. :o)
    Und beim Quiz würde ich auf tippen: Der kleine Prinz (?)
    Ansonsten: tolles Thema, geschmacklich wunderbar verpackt!
    Ich zieh` den Hut!

    Liebe Grüße ins Grüne ;o)

    • Wie gut, dass es noch Menschen gibt, die aufpassen! Vielen Dank – es ist bereits korrigiert.

      Und da das ja ein Klugscheißer-Blog ist, hier für dich noch einmal der korrekte Apostroph: zieh‘ statt zieh`. 😛

      Schönen Gruß vom kleinen Prinzen!

  2. Hui, wieder etwas gelernt. Apostrophe scheinen mir mehr und mehr höchst selten Sinn zu machen. (Musste gerade aber erst wieder nachlesen, ob man „Sinn machen“ sagen darf…)
    Aber wer sagt bitte: „Ess!“? Das hört sich für mich schon komisch an.

    Ludger

    PS: Muss es nicht „… einer Lappalie!“ heißen?

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