Happy Birthday, Sprachlupe!

4…und schon wieder ein Anglizismus! Himmelherrgottsakrament! Die Welt geht unter… Blubb, blubb, blubb…

Ja, die Sprachlupe hat heute Geburtstag und ist jetzt schon ganze vier Jahre alt. „Du bist aber groß geworden!“, ruft da freudig die Tante. Das kann man wohl sagen! Denn der Blog wurde im Jahr 2015 beispielsweise 6-mal häufiger angesehen als im Jahr 2013. Über 22.000 Besuche im vergangenen Jahr! „Jetzt mach‘ dir mal nicht vor Freude in die Hose, andere schaffen es in die Millionen!“, höre ich da die bösen Stimmen aus dem Off. Na und? Ich bin ja nur ein kleiner Mann… 😉

Aber heute zum Festtag wollte ich noch mal so richtig auf den Putz hauen und eines meiner Lieblingsthemen ausgraben: Anglizismen! Ist ja nicht das erste Mal, dass ich darüber schreibe, denn es ist schließlich ein Thema, das viele Menschen bewegt. Also los.

Es liegt mir sehr am Herzen noch einmal zu betonen, dass Anglizismen nicht immer gleich die „deutscheren“ Wörter aus dem Duden schubsen. Oft ist nämlich ein Synonym aus der englischen Sprache nur ein Pseudosynonym, weshalb der Duden mit den Jahren auch immer dicker geworden ist. (Das Problem haben ja viele von uns.) In seiner Speckschwarte stehen dann englisch- neben französisch-, spanisch-, latein- und griechischstämmigen Wörtern. Beispiele? Kannste haben!

Job ist nicht gleich Arbeit. Ein Job kann eine gelegentliche Arbeit wie ein Ferienjob sein. Oder der Chef fragt: „Herr Meier, könnten Sie mir noch kurz die Füße küssen?“ – „Nicht mein Job“, antwortet da Herr Meier und meint damit ‚Nicht meine Aufgabe‘ statt ‚Nicht meine Arbeit‘.

Bloggen ist ein neues Wort, für das es kein deutsches gibt. Ich könnte es natürlich umschreiben mit: an einem Blog schreiben. Da bleibt dann aber noch das Wörtchen Blog, was ich nur durch Weblog ersetzen kann. Immer noch zu englisch. Zum Glück lässt sich das mit Hilfe des Dudens knackig-kurz umschreiben mit: „tagebuchartig geführte, öffentlich zugängliche Webseite, die ständig um Kommentare oder Notizen zu einem bestimmten Thema ergänzt wird“. Na, das ist doch mal was. (Psst! Nicht verraten, dass sich in der Umschreibung wieder ein Anglizismus versteckt hat! Und auch nicht verraten, dass mein Blog demnach kein Blog ist, weil ich nicht ständig, sondern nur gelegentlich Kommentare erhalte!)

Wenn wir so fortfahren und mehr und mehr Wörter aus der IT- und Internetwelt suchen, stoßen wir immer wieder auf Anglizismen. Und so ist es in vielen Fachbereichen, die ohne Begriffe aus dem englischen Sprachraum nicht auskommen, weil deutsche Synonyme fehlen.

Doch es gibt – so zumindest meine Meinung – eine Grenze, bei der es nur noch lächerlich wird. Wenn every dritte Wort auf Englisch gespoken wird und du totally cool und up-to-date sounden möchtest, dann bekomme ich entweder einen Lach- oder Kotzreiz. In diesem Sinne übergebe ich mich – und zugleich das Schlusswort an Jil Sander, die schon 1996 Folgendes sagte (zitiert von spiegel.de):

„Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, dass man contemporary sein muss, das future-Denken haben muss. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, dass man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewusste Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muss Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils.“

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10 Kommentare zu “Happy Birthday, Sprachlupe!

  1. In Berlin gibt es eine (ich glaube: Essenentsorgungs-)Firma, auf deren Lastwagen der Slogan prangt: „Food ist unser Business!“

  2. Meinen allerherzlichsten Glückwunsch zum Ehrentag! Famos.
    Oder anders, ohne Anglizismen aber doch recht modern:
    Voll fett, Meister! Krass korrrrekt, Mann. Fantastisch – ehrrrrrlich :o)

  3. Hat Frau Sander das tatsächlich 1996 gesagt oder doch nicht vielleicht in 1996. Also ich wäre damit fein/fine.
    Dein Blog ist klasse.

    Ulrike

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