Der mit dem Bofel schlurkt – Verschwundene Wörter (2)


Wie im Januar angekündigt, wollte ich mich zehn Wörtern widmen, die in der deutschen Sprache ausgestorben sind. Die ersten fünf habe ich schon abgehakt, weiter geht es heute mit den letzten fünf. Auch dieses Mal hilft mir dabei das Deutsche Wörterbuch (DWB) von Jacob und Wilhelm Grimm. Ludgers Kommentare aus dem Januarartikel werden dabei – sofern vorhanden – ebenfalls verarbeitet.

Bofel

Was bei den Römern die plebs und bei uns heute noch als Pöbel bezeichnet wird, das ist mit Bofel gemeint, also das gewöhnliche Volk. Es konnte auch rein adjektivisch verwendet werden als ‚gemein, gewöhnlich, allbekannt‘.

Bohumke

Wie der Halunke diente Bohumke als Schimpfwort. Möglicherweise stammt es vom polnischen Wort poganin ‚Atheist, Heide‘ ab, was man auf den ersten Blick sieht – nicht wahr?

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rax!

Ludger: 100 Punkte für dich. Du hast fix, rege und flott als heutige Synonyme vorgeschlagen und so sieht es aus. Mit rax wollte der Sprecher oder Schreiber Schnelligkeit ausdrücken: „Und hurra rax dax! geht’s, als flögen wir davon.“ Das stammt aus der fünften Szene in „Die Räuber“ von Friedrich Schiller.

Quicker

Quicker sieht so aus, als hätte es etwas mit engl. quick ’schnell‘ zu tun. So ist zumindest auch Ludgers Idee und er vermutet einen „Schnaps, der Quickie-mäßige schnell besoffen macht“. Stimmt aber nicht. Quicker hieß der Buchfink, auch als Quacker, Quäcker oder Quecker bekannt gewesen. Er wurde benannt nach dem Ton, den er von sich gibt: „sein lockton ist ein kurz ausgestoszenes ‚jäckjäck‘ oder ein lang gezogenes ‚quäk‘“. Klar, oder? Dann macht er womöglich in einigen Regionen „quäk“ und in anderen „quik“. Letzteres vielleicht dann, wenn er besoffen ist und sich nach einem Quickie sehnt.

schlurken

Dieses auf eine frühe oder plattdeutsche Form von schlurfen zurückzuführen klingt plausibel, Ludger, und ist auch richtig. Aber hier ist nicht nur das Schlurfen gemeint, das vom Duden so schön definiert wird als „geräuschvoll [und schleppend] gehen, indem man die Schuhe über den Boden schleifen lässt“. Hier ist auch die landschaftliche Version von schlürfen gemeint. Wieder kennt der Duden eine reizende Umschreibung: „Flüssigkeit geräuschvoll in den Mund einsaugen“. Dann gibt es noch das Tor 3, also schlurken als Synonym für ’stottern, stammeln‘. Beim ersten Hinschauen haben diese Dinge alle nichts miteinander zu tun, aber letztlich beschreibt es doch immer einen gebremsten Prozess, der sich stoßweise vollzieht.

So, das war’s. Macht euch einen schönen Tag! Ich suche dann mal rax nach ein paar Youtube-Anleitungen darüber, wie man Flugzeuge malt.

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