Geiler Scheiß: Tabuwörter

Bereits dreimal – nämlich hier, da und dort – habe ich mich mit Schimpfwörtern beschäftigt. Ich habe auch schon über Facebook versucht, meine dortigen Follower aufzurufen, mir die schlimmsten Schimpfwörter zuzuschicken, die ihnen so in den Sinn kommen. Bei diesem Versuch kam leider nicht viel herum, da mein Bildschirmpublikum entweder zu fein ist oder ich zur Zeit des Aufrufs noch zu wenig Follower hatte.

Jedenfalls wollte ich mit diesem Versuch in etwa das herausfinden, was die Plattform Statista im großen Stil untersucht hat: Mich interessierte, welche Schimpfwörter als besonders übel empfunden werden. Die Befragten der Statista-Untersuchung erhielten eine Auflistung von Tabuwörtern (also nicht nur Schimpfwörter) und sollten von denen diejenigen nennen, die sie „ärgerlich und abstoßend“ finden. Das Ergebnis:

Statistik: Welche dieser Tabuwörter finden Sie ärgerlich und abstoßend? | Statista

Interessant ist bei Tabuwörtern, dass sie immer abhängig vom Zeitgeschehen sind. Vor über zwanzig Jahren hat sich wahrscheinlich kaum jemand Gedanken gemacht über den Ausdruck Zigeuner, die der Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma heute als diskriminierend bezeichnet. Hier könnte die Prozentzahl demnach in den nächsten Jahren steigen. Die häufig zu hörenden Wörter geil und scheiße haben ihre Würze verloren – ich vermute, dass sich die Menschen in den 90er Jahren darüber mehr empörten.

Aber nach wie vor führt ein Wort wie ficken zur allgemeinen Erregung und ist in dieser Statistik das empörendste Wort, das zur Auswahl stand. Mir fallen natürlich noch andere ein, die eine gute Chance darauf hätten, auf Platz 1 zu landen. Aber die werde ich selbstverständlich brav für mich behalten.

Zurück zu ficken: Es ist ein Paradebeispiel für ein ehemals harmloses Wort, dass mit der Zeit eine Wandlung ins „Böse“ erlebte. In der Zeit des Mittelhochdeutschen bedeutete ficken nicht mehr und nicht weniger als ‚reiben‘. Ich bin aber schon gespannt, wie dieses Wort in zwanzig Jahren empfunden wird. Von der jüngeren Generation wird ficken nicht mehr nur als Synonym für Sex haben gebraucht. Er hat mich gefickt kann dann entweder soviel bedeuten wie ‚er hat mich hart herangenommen‘ (im Sinne von ’stark beansprucht‘) oder ‚er hat mich hereingelegt, verarscht‘. Das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man in seiner Umgebung Derartiges aufschnappt.

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