Protz im Schlüpfer

Protz im SchlüpferDas Bedürfnis, mir fiese deutsche Wörter zuzusenden, nimmt nicht ab. Heute behandele ich zwei weitere hässliche Wörter. Zunächst meldete sich Franziskus:

Einem deutschen (Ex-)Bischof und der Unsitte der Medien, aus jedem Problembär einen Prügel-Prinz zu machen, verdanke ich, dass ich nun meines Favoriten im Wettbewerb um das hässlichste deutsche Wort gewahr wurde: Protz! Anders als die hoch gehandelte Kotze, fehlt das wohlklingende „e“. Statt seiner gesellt sich ein „r“ in die Reihe der klanglos zischenden Konsonanten. Bitte vormerken für die nächste Abstimmung.

Was soll ich dieser präzisen Beschreibung noch hinzufügen? Protz hätte tatsächlich gute Chancen auf das Siegertreppchen bei einer weiteren Abstimmung. Ob es eine solche nach der letzten Beteiligungsflaute allerdings geben wird, lasse ich noch offen.

Was ist ein Protz?

Ein Protz ist ein Angeber, ein Großmaul, ein Aufschneider, ein Wichtigtuer, ein Möchtegern und so weiter.

Woher kommt das Wort Protz?

Das ist unklar. Bezeugt ist das Wort seit dem 16. Jahrhundert als bairische Bezeichnung für ‚Kröte‘. Eine Kröte wirkt – je nach Größe – durchaus recht protzig. Dazu gibt es in der Forstwirtschaft eine weitere Bedeutung von Protz, die uns der Duden verrät:

(bei jungen Baumbeständen) Baum von schlechtem Wuchs, der schneller als die anderen gewachsen ist und diese im Wachstum behindert

Wenn ein Baum sich derart über andere stellt, finde ich das total prahlerisch. Das Suffix -protz ist im Übrigen recht bekannt in der Kombination Muskelprotz, um auf eine Person zu referieren, die mit ihrer aufgepumpten Muskelmasse beeindrucken möchte.

Es wird schlüpfrig

Wie ich oben angekündigt habe, bekam ich noch eine zweite Zusendung: Schlüpfer. Dieses Wort kommt ganz und gar nicht protzig daher. Möglicherweise hat genau das Gegenteil, der weiche Klang, zu der Entscheidung der Absenderin oder des Absenders geführt. Auch der Umstand, dass der Schlüpfer danach benannt wurde, was man mit einer derartigen Unterhose tut, nämlich hineinschlüpfen, könnte hier einen Einfluss haben.

Vielleicht wäre eine Fusion aus Protz und Schlüpfer, aus hart-zischendem und weich-schlabberndem Klang, die Lösung dafür, beide Wörter wohlklingend und poetisch zu machen. Wie wäre es mit Prüpfer und Schlotz?

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2 Kommentare zu “Protz im Schlüpfer

  1. 😉 der Schlüppi kam von mir! Witzig, dass er gleich aufgenommen wurde, wo ich doch erst kurz zuvor überhaupt auf den Blog stieß.

    Liebe Grüße

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