Karnivoren im Karneval

Anlass des heutigen Artikels ist die Anfrage von Prinz, die mich vorgestern, am Rosenmontag erreichte:

[…] bei allem bunten Treiben heute frage ich mich, woher der Begriff Karneval eigentlich kommt. Für mich als überzeugten Carnivoren klingt das irgendwie verwandt. Allerdings habe ich bislang eher Kamellen als Würstchen gefangen. Wenn das doch irgendwie zusammenhängt, dann wäre Karneval ja sozusagen das Gegenteil vom Veggieday…

Kurz vorab:

  1. Ja, es ist verwandt.
  2. Nein, es ist nicht das Gegenteil von Veggieday.

Das Wort Karnivore oder Carnivore bezeichnet einen Fleischfresser, von lateinisch carnis ‚Fleisch‘ und vorare ‚verschlingen, verschlucken, gierig fressen‘. Freunde südländischer Fleischgerichte wissen, dass carne im Spanischen, Portugiesischen und Italienischen  ‚Fleisch‘ bedeutet. Neben den Karnivoren gibt es auch die Herbivoren (Pflanzenfresser) und die Omnivoren (Allesfresser). Neuartigere Mischwesen sind z. B. Ovo-Lacto-Pescetarier, also Vegetarier, die Eier, Milch und Fisch verzehren.

Vorbild des Begriffs Karneval ist das italienische Wort carnevale. Woher das nun wiederum kommt, weiß man nicht genau. Aber wie immer gibt es Vermutungen:

  • Es könnte sich um eine Verkürzung aus den italienischen Wörtern carne und levare ‚wegnehmen‘ handeln: carnelevare > carnevale.
  • Zerlegt man carnevale in carne vale, so heißt das auf Lateinisch „Fleisch, lebe wohl!“ Diese Herleitung scheint vielleicht etwas zu plump, aber immerhin spielt auch der Duden mit dem Gedanken, dass da etwas dran sein könnte.

Mit carnevale wurde ursprünglich übrigens nicht der gesamte Zeitraum der Oster-Fastenzeit bezeichnet, sondern nur der Tag davor.

Wie auch immer, in beiden Ansätzen geht es um den Verzicht auf Fleisch. Um also, lieber Prinz, auf deine Vermutung zurückzukommen, handelt es sich beim originalen Karneval eben nicht um das Gegenteil eines fleischfreien Tages. Denn Karneval ist somit, traditionell gesehen, ein absoluter Veggieday. Vielleicht erklärt das auch, warum die Jecken keine fleischhaltigen Produkte vom Karnevalswagen werfen, sondern kohlenhydrathaltige Kalorienbomben.

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