Glückwünsche und Erfolgsgesten

Wir drücken jemandem die Daumen, klopfen auf Holz, wünschen Hals- und Beinbruch und sagen toi toi toi. Inspiriert durch die Anfrage

Woher kommt eigentlich die Redewendung „Jemanden [richtig: „jemandem“] die Daumen drücken“?

soll es heute um Äußerungen gehen, die gemacht werden, um jemandem Glück, Gesundheit oder Erfolg zu wünschen.

daumendrückenFür die Entstehung des Daumendrückens gibt es unterschiedliche Vermutungen:

  1. Die alten Germanen sahen den Daumen als Symbol für böse Geister und Dämonen an. Sie stellten sich vor, dass ein in der Hand gedrückter Daumen dazu führt, dass diese Kobolde gebannt werden.
  2. Bei den Gladiatorenkämpfen der alten Römern konnte das Publikum über das Schicksal teilweise mitentscheiden. Wenn ein Kämpfer am Boden lag, stimmten die Zuschauer für oder gegen die Gnade des Herrschers ab (inwieweit sich dieser davon beeinflussen ließ, weiß ich nicht). Ihr Voting gaben sie über ihren Daumen ab, der als Symbol für das Schwert fungierte: Entweder drücken sie ihre Daumen, was bedeutete, dass das Schwert in die Scheide zurückgesteckt und der arme Kämpfer vor seinem Tod bewahrt werden sollte. Wollten die Schaulustigen allerdings Blut sehen, streckten sie den Daumen nach oben. Diese Geste gibt es ebenfalls noch heute.

Beide Varianten haben gemein, dass der Daumen etwas Negatives darstellte, einen Dämon oder ein Schwert. Das Interessante ist, dass sich die Auffassung eines gedrückten Daumens im Laufe der Zeit geändert haben muss: Früher eher als Symbol für das Abwenden von Unheil, heute eher als Erfolgswunsch. Faktisch ist das irgendwie das gleiche, nur der Blickwinkel ist ein anderer geworden. So würden wir die heutige Geste des ausgestreckten Daumens nicht mehr mit „Ja, tötet ihn!“, sondern eher mit schlecht gemachter Werbung durch weißzahnig strahlende Menschen assoziieren.

Mehrere Erklärungsansätze gibt es auch für die folgende Geste:

  1. Dreimal auf Holz geklopft hat ein Matrose, bevor er auf einem Schiff anheuerte. Er konnte sich so über den Zustand des Schiffs ein Urteil bilden und musste sich dann entscheiden, ob er diesem vertraut oder nicht.
  2. Auch Bergarbeiter klopften auf das Holz des Stollens, um die Festigkeit zu beurteilen. Trockenes, stabiles Holz gibt einen hellen Ton von sich, während nasses und morsches Holz dagegen mit einen dumpfen Ton antwortet.
  3. Als die Menschen noch daran glaubten, dass ein Dämon neidisch wird und Böses bewirkt, wenn man über sein eigenes Glück sprach, klopften sie bei oder nach dem Gespräch aufs Holz. Das sollte verhindern, dass der böse Geist mithören konnte. Da die Leute zu der Zeit vermehrt in Holzhäusern lebten, war Klopfmaterial zu Genüge vorhanden.

Toi toi toi geht auf eine Geste zurück, die man vor Prüfungen oder Auftritten machte. Wem man Glück wünschte, spuckte man dreimal über die Schulter. Das fanden die Leute dann irgendwann ekelig und stiegen vom Spucken auf die Formulierung toi toi toi um. Warum toi toi toi? Dazu gibt es wieder zwei Ansätze:

  1. Das Geräusch des dreimaligen Spuckens wurde als toi toi toi wahrgenommen und deshalb auf diese Art sprachlich umgesetzt.
  2. toi steht als Abkürzung für Teufel. Im Mittelalter wurde gern mal das Gegenteil von dem geäußert, was man dem anderen eigentlich wünscht.

Wie beim Ausspruch Hals- und Beinbruch!

  1. Das könnte aus dem gleichen Glauben entstanden sein, dass man gute Dinge über böse Wünsche erreicht. Bein steht hier im Sinne von Gebeine für ‚Knochen‘.
  2. Auch denkbar ist die Entstehung aus einer Verballhornung eines jiddischen Ausdrucks für Erfolg und Segenhatslokhe u brokhe. Das klingt so ungefähr wie hatsloche u broche, was man zu Hals- und Beinbruch uminterpretiert haben könnte.

Wer noch weitere Glückwunschäußerungen kennt und möchte, dass ich sie in die Sprachmangel nehme, kann mit mir Kontakt aufnehmen. Für alle anderen Anfragen natürlich auch. Bis dahin – horrido und Glück auf!

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2 Kommentare zu “Glückwünsche und Erfolgsgesten

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