Ökotrophologen und Ondulierdüsen

Nach langer Zeit gibt es heute wieder Futter für die Kategorie Fieses Deutsch. Zur Erinnerung bzw. Information für Neuleserinnen und -leser: Im letzten Jahr habe ich diese Kategorie ins Leben gerufen, damit ihr mit die hässlichsten und übelsten deutschen Wörter zusenden könnt. Wer etwas einreichen möchte, kann das über das Formular tun, das sich in diesem Artikel befindet.

Die Ondulierdüse erfreut den Ökotrophologen.

Die Ondulierdüse erfreut den Ökotrophologen.

Heute soll es also um die Vorschläge Ökotrophologe und Ondulierdüse – vermutlich eingereicht von zwei verschiedenen Leser(inne)n – gehen. Beide Wörter zeichnen sich vor allem durch eine hohe Anzahl an Silben aus, was vielleicht mitentscheidend bei der jeweiligen Auswahl war.

Ökotrophologe (bei dem ich immer aufpassen muss, ihn nicht falsch zu schreiben) setzt sich zusammen aus Öko- (altgriechisch οἶκος oikos für ‚Haus‘, ‚Haushalt‘) und Trophologe (altgr. τροφή trophé ‚Ernährung‘ und λόγος lógos ‚Wort‘, ‚Lehre‘). Ein Ökotrophologe ist also ein Haushalts- und Ernährungswissenschaftler. Für mich spielen hier zwei Aspekte rein, die das Wort unschön machen könnten: die Optik und der Klang. Das deutsche Ö mag dem einen und anderen irgendwie hässlich erscheinen, gerade dann, wenn es am Wortanfang und auch noch großgeschrieben steht. Vielleicht kommt visuell noch das -ph- hinzu, welches in ursprünglich griechischen Wörtern häufig zu sehen ist. Das kann eine antiquierte Wirkung erzeugen, weil wir uns im Wandel von -ph- zu -f- befinden (Fotografie gibt es schon länger in dieser Schreibweise, Delfin ist neuer – hier mehr dazu). Was den Klang betrifft, so fällt ein häufiges Vorkommen von o auf, und zwar in vier aufeinander folgenden Silben nach dem Ö. Diese werden alle lang gesprochen, im Gegensatz zum kurzen o in toll, hoffen oder tipptopp. Dadurch zieht sich das Wort hin wie Kaugummi in seinem dumpfen Lokomotiven-Klang. (Klanglich wunderschön wäre es doch, wenn man für einen Ökotrophologenkongress eigens eine Lokomotive als Transportmittel für alle Ökotrophologen einrichten würde, also eine Ökotrophologenlokomotive. Siehe dazu auch die Rhabarberbarbarabar, Eintrag von gestern auf meiner Facebook-Fanpage).

Aber nun genug mit den Ökos, weiter zur Ondulierdüse. Was ist das denn bitte? Der zusätzlich zum Vorschlag mitgeschickte Kommentar „aufgrund des letzten Artikels“ (bezogen auf den Fön-Artikel) habe ich erst nach meiner Recherche verstanden. Eine Ondulierdüse bewirkt laut Definition der bindestrichlosen Haartrockner News von paradisi.de

eine Ausrichtung und Verengung des aus dem Fön tretenden Heißluftstrahls. Die Ondulierdüse verwendet man zum gezielten Formen oder Glätten des Haares mit Hilfe von speziellen Bürsten, die die aus der Ondulierdüse kommende Hitze aufnehmen, ohne dabei kaputt zu gehen.

Vielleicht trug hier das O am Wortanfang zur Entscheidung bei und das ü in der Endsilbe, vielleicht auch die wechselnden Vokale der einzelnen Silben allgemein: Ondulierdüse. Durch diese vollzieht der Mund eine interessante Stellungsreihenfolge. Sagt doch bitte dieses Wort so oft und so schnell wie möglich hintereinander, dann seht ihr, was ich meine. Mehr weiß ich dann aber nichts an diesem Wort zu analysieren. Die Geschmäcker sind eben verschieden und so kann der Klang des Wortes Ondulierdüse als angenehm, unschön oder lustig empfunden werden. Ebenso wie der Klang der ausströmenden Luft durch eine solche.

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2 Kommentare zu “Ökotrophologen und Ondulierdüsen

  1. Ökotrophologenlokomotive – Wow, jetzt kenne ich ein Wort mit sieben O, mit „Kongress“ wären es sogar acht. Bisher kannte ich nur ein Wort mit sechs O: Moonbootsboom – ist bei dem Winter aber auch nicht sooo angesagt…

    • …aber vielleicht kommt er ja noch, der Winter, und schneit den armen Ökotrophologen die Gleise so sehr zu, dass die Ökotrophologenlokomotive nicht zum Ökotrophologenkongress fahren kann. Vielleicht wäre das dann wiederum eine Chance für weitere Transportmittel für Ökotrophologen und die Ökotrophologenlokomotive müsste ihr Alleinstellungsmerkmal als Ökotrophologentransportmittel aufgeben, sozusagen ihr Ökotrophologenlokomotivenmonopol. Und bitte sehr, nun kennst du ein Wort mit zehn O.

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