Rubbel die Katz

Es gibt schöne Redewendungen und weniger schöne. Diese hier ist super. Zu verdanken habe ich das einer Freundin und Kommilitonin, die mich neulich mit großen Augen ansah, als ich sagte:

„Rubbel die Katz geht das!“

Sie sagte, sie habe es noch nie gehört und fragte mich, was es denn bedeute. Rubbel die Katz sage aus, dass etwas total schnell gehe, antwortete ich. Schon wuchs das Interesse in uns beiden, woher diese Wendung kommt. Die bildliche Vorstellung provoziert jedenfalls ein leichtes Schmunzeln. Rubbel die Katz kann übrigens auch eine Aufforderung zu schnellem Handeln sein.

Bevor es Papiergeld gab, wurde ja mit Münzen gehandelt. Keine Scheine, keine Brieftasche. Man brauchte viel Platz für Münzen. Diese trug man in einem bestimmten Beutel um die Hüfte, ähnlich wie Hip Bags in den 90er Jahren (Gürteltaschen). Dieser Beutel hieß Geldkatze – kurz Katze – und bestand aus Leder oder Strick- bzw. Häkelkram. Sein Name rührt entweder von seiner Form oder seinem Material, letzteres war nämlich häufig Katzenleder. Wahrscheinlich ist auch, dass das althochdeutsche Wort chazza für ‚Gefäß, Beutel zum Tragen‘ als klangliche Vorlage für Katze diente.

Wer also die Katze rubbelte, schnappte sich demnach nicht etwa eine dahergelaufene Siam, um ihr Fell – natürlich gegen den Strich – zu reiben. Nein, er ließ kurz vor einer Kaufentscheidung seine Finger über den Geldbeutel gleiten, um zu prüfen, wie viele Münzen darin enthalten sind.

Heute ist das anders. Die EC-Karte verrät uns von außen nicht, wie viel noch auf dem Konto ist. Besser für den modernen Händler, schlechter für den Kunden.

Geldatze_Museum_Dahme

Miau: Geldkatze um 1800 (Stadtmuseum Dahme/Mark)
(c) LutzBruno, Wikimedia Commons

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6 Kommentare zu “Rubbel die Katz

  1. Lieber André! Ich danke Dir für die Auflösung dieses Geheimnisses! Auch bei der Erklärung kam es wieder dazu, dass ich schmunzeln musste, was an einem verregneten Montagmorgen besonders schön ist 😉

    • Ja, vielleicht hätte ich besser ein anderes Wort verwenden sollen. Mit Häkelkram würde man ja vermutlich eher die Hilfsmittel benennen, die man zum Häkeln benötigt. So wie Unikram das bezeichnet, was man für die Uni braucht. Ganz normal, was ist das schon? Auf jeden Fall ist es umgangssprachlich. Wer Standarddeutsch sprechen möchte, sollte dann lieber sowas wie Gehäkeltes oder Häkelarbeit benutzen.

      Grüße zurück und danke fürs Lob!

  2. Ich finde „Kram“ etwas despektierlich ausgedrückt, das war alles. Häkelware wäre nicht schlecht, aber genug der Begriffsklauberei!

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