In your face!

„Hör ma, Digga! Wenn du nich sofort die Klappe hältst, gibt’s was auf die Zwölf! Pass auf, sonst setzt es was! Dann kannst du gleich dein Testament machen! Sieh zu, dass du Land gewinnst! Sonst kannst du bald ins Gras beißen!“

Na, na, wer wird denn gleich. Erst mal ganz tief durchatmen und zurücklehnen. Wer solch schöne Redewendungen nutzt, sollte doch auch ein wenig Ahnung davon haben, worüber er da eigentlich spricht. Jetzt wird sprachlich gerüstet für den Verbal-Fight. Also hinsetzen und zuhören, bitte!

Die Klappe halten erlebt seit den 1970er Jahren einen klaren Anstieg im deutschen Sprachgebrauch, zumindest zeigt dies eine kleine Untersuchung anhand von Google Books. Dagegen war Schnauze halten schon in den 1930er Jahren populärer, hält sich aber nun mit Klappe in etwa die Waage (wieder nur auf Literatur bezogen).

Auf die Zwölf gibt es etwas, weil man sich den Körper als Zifferblatt einer Uhr vorstellt, da entspricht der Kopf der Zahl 12. Demnach könnte man jemandem die 3 und die 9 abhacken und ihm auf die 6 treten.

Die Begeisterung gegenüber es setzt was hält sich dermaßen in Grenzen, dass es in einem Verbalkampf nicht mehr zum Einsatz kommen sollte. Gleiches gilt für sein Testament machen. Das sollte man sowieso lieber eine Anwältin machen lassen.

Land gewinnen mag ja profitabel klingen, aber das nützt einem auch nix bei der Flucht.

Im deutschsprachigen Raum ist ins Gras beißen literarisch seit Anfang des 19. Jahrhunderts (Quelle: Google Ngram Viewer) belegt und immer noch ziemlich hip. Man sagt es deshalb, weil nach alter Vorstellung jemand im Todeskampf ins Gras beißt, damit er die Schmerzen nicht so sehr spürt. Dieses Bild findet sich auch schon in Homers Ilias, die mindestens satte 2600 Jahre alt ist.

Bildschirmfoto 2013-07-23 um 22.43.23Wer seinen Gegner verbal so richtig platt machen möchte, dem empfehle ich, auf das neudeutsche In your face! zurückzugreifen. Verwendet wird dies vornehmlich unter Jugendlichen und jung gebliebenen Erwachsenen in wilden Wortgefechten. Man könnte auch von gegenseitigem Dissen reden. In your face! will sagen: Jetzt hab ich’s dir aber mal so richtig gegeben! Dabei kommt ein vorangestelltes Bam! (ebenfalls englisch ausgesprochen) nicht selten vor. Komplett demnach: Bam! In your face! Wenn man es mit der Person aus dem ersten Absatz aufnimmt, sollte man es sogar durch die nachgestellte Interpunktion Digga ergänzen. Und dann wegrennen.

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