Blutsauger und Halsabschneider

Moin André,

ich weiß, Dein Blog pausiert, aber für die Zeit nach der Pause hätte ich mal eine kleine Rechercheidee, und zwar bezüglich der Herkunft des Wortes „schröpfen“. Wie ich darauf komme: Im Abendblatt ist ein Artikel erschienen, in dem es darum geht, dass eine Hamburgerin die Wohnungsnot ausnutzt und Schlafplätze auf dem Fußboden ihres Wohnzimmers für 25 Euro pro Nacht und Person anbietet [Link]. Reine Ausbeutung, meint die Autorin – deren Name Sandra Schröpfer ist…

Die Blog-Pause ist ja nun vorbei, daher will ich mal gleich ans Eingemachte gehen: Jemand, der schröpft, nimmt anderen auf geschickte Art und Weise unverhältnismäßig viel Geld ab, so wie im Beispiel des Fragestellers. Schröpfen gilt als umgangssprachlicher Begriff und kommt aus der Medizin. Da werden Sauggeräte (Schröpfgläser o. ä.) auf der Haut befestigt, die das Blut an- oder aussaugen sollen (wunderschöne Bilder gibt es z. B. hier). Auch in der Landwirtschaft wird geschröpft, indem man zu üppiges Wachstum durch z. B. Beschneiden des Getreides verhindert oder die Rinde von Bäumen schräg einschneidet, um das Dickenwachstum zu fördern.

Die ursprüngliche Bedeutung von schröpfen ist ‚Blut absaugen‘. Es kommt vom mittelhochdeutschen schreffen und schrepfen und ist mit schrappen verwandt:

Mama, ich hab mir das Knie (auf)geschrappt!

Zu dieser Familie gehören übrigens auch scharf, schrubben und Schrippe. Letztere heißt übrigens so, weil schripfen früher soviel hieß wie ‚aufreißen‘, was mit der Brötchenrinde beim Backen nunmal passiert. Doch bedeutender ist die Verwandtschaft von schröpfen mit scharf, welches vor sehr langer Zeit (im Indogermanischen) den gleichen Urahnen hatte wie schneiden.

Es geht also bei allen Bedeutungen ums Schneiden (denn ursprünglich wurde als medizinische Maßnahme die Haut zum Schröpfen immer aufgeschnitten). Das wird im übertragenen Sinn gern auch für finanzielle Dinge gebraucht, sowie bei weiteren blutigen und saugenden Aussagen:

  • Das Finanzamt lässt mich ganz schön bluten.
  • Der König saugte seine Untertanen aus.
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s