Unteroberniederüber

heute Morgen musste ich beim Radiohören schon wieder mit der Stirn runzeln. Da wurde erzählt, dass Bayern gegen eine „unterklassige“ Mannschaft gewonnen hatte. Da habe ich mich gefragt, ob das das Niveau der Klasse oder die Qualität des Spiels bewerten sollte. Denn meiner Meinung nach spielt die Regensburger Mannschaft zwar in einer niedrigeren Klasse, muss deshalb aber nicht unterklassig (gibt es das Wort überhaupt???)  – also unterdurchschnittlich spielen.

Gibt es also eine Regel, wann man unter-/ über- und wann man niedriger /mehr oder nieder-/ober- verwendet? Man sagt ja unterdurchschnittlich aber oberrheinisch…

Das Wort unterklassig gibt es wirklich, was die Freunde des Fußballs nicht großartig überraschen wird. Wenn es für Kicker-Laien auch nach negativer Bewertung klingen mag, so bezeichnet es doch lediglich, dass die Mannschaft einer unteren Spielklasse angehört. Demnach bedeutet es auch gar nicht zwangsläufig, dass die Regensburger Mannschaft unterdurchschnittlich gut spielt – zumindest kann ich als Fußball-Amöbe darüber keine Auskunft geben.

Für die Verwendung von unter-/über- bzw. nieder-/ober- wird es keine eindeutige Regel geben, da man immer auf den Ursprung der Benennung schauen muss. Bei dem Rhein ist das eine eindeutige Geschichte, da beziehen sich die Bezeichnungen der Rheinabschnitte auf die gelegene Höhe: Hochrhein (in der Schweiz), Oberrhein (von kurz nach Basel bis hinter Wiesbaden), danach Mittelrhein (bis Bonn) und dann Niederrhein (bis zur Nordsee). Anders sieht es bei Oberammergau und Unterammergau aus. Die liegen beide auf einer Höhe (836 bzw. 837 m ü. NN), hier wird stattdessen die Lage vom Fluss aus bezeichnet:

Oberammergau entstand oberhalb (nördlich) der Ammer, Unterammergau unterhalb (südlich) der Ammer. Dabei spielt keine Rolle, dass Oberammergau südlich von Unterammergau liegt, da die Benennung nur die Relation zum Fluss beschreibt.

Die Begriffe Hochdeutsch und Niederdeutsch (auch Plattdeutsch) bezeichnen wiederum ihrem Ursprung nach die geografische Höhe. Hochdeutsch geht damit auf das bergige Deutschland, Niederdeutsch auf das flache Land zurück. Auch wenn wir heute Bayrisch nicht mehr als Hochdeutsch im Sinne von Standarddeutsch bezeichnen würden.

Ober- kann sich also auf die Höhe (wie bei Oberrhein), aber auch auf die geografische Lage (wie bei Oberammergau), beziehen. Hoch- und Nieder- bezeichnen im Regelfall die Höhe (Hochdeutsch, Niederlande). Mit unter- kann man sowohl die geografische Lage angeben (Unterammergau), aber eben auch Höhe (im übertragenen Sinne als Klassenzuordnung bei Unterliga, Unterklasse).

In diesem Sinne (Text siehe unten):

Heut kommt der Hans zu mir,
freut sich die Lies‘.
Ob er aber über Oberammergau,
oder aber über Unterammergau,
oder aber überhaupt net kommt,
des ist net g’wies.

P.S.: Deine Anfrage zu niedriger/mehr – worauf beziehst du die? Ich habe nicht richtig verstanden, wie sie mit dem Thema verknüpft ist. Wenn du magst, kannst du es gern in einem Kommentar präzisieren, dann werde ich darauf eingehen!

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2 Kommentare zu “Unteroberniederüber

  1. hmm ich fürchte ich weiß nicht mehr was ich damit gemeint habe….aber zumindest weiß ich das es mir nach dem Urlaub oberklassegut geht 🙂 Viele liebe Grüße und danke für die Erklärung!

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