Was geht, Digger?

Nachdem eine Leserin Interesse daran bekundet hatte, woher das in Hamburg oft zu hörende Digger herkommt, rief ich die „Fans“ meiner Facebook-Seite dazu auf, mir ihre Wünsche darüber mitzuteilen, welche Schimpfwörter ich im Blog behandeln soll. Da es sich bei meinen Lesern anscheinend um ein anständiges Völkchen handelt, wurden bis auf Penner keine weiteren genannt. Somit werde ich mich vorerst diesen beiden widmen, freue mich jedoch über weitere Zuschriften – vielleicht kann ich dann ja mal eine Fortsetzung schreiben.

Da ich nicht weiß, inwieweit die Anrede Digger über Hamburg hinaus schon bekannt ist, hier meine kleine Definition:

Digger, m. Aussprache: [‚dɪ.gɐ]. Umgangssprachliche Anredeformel (daher artikellos), die befreundete Personen untereinander verwenden, um 1. Vertrautheit auszudrücken und 2. ihren Gesprächsbeitrag in eine gedankliche Struktur zu bringen. Im Gegensatz zu anderen Titulierungen kann Digger recht häufig innerhalb eines gesprochenen Satzes eingebaut werden. Vermehrtes Vorkommen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf Großveranstaltungen.

Dazu ein Beispiel, das mir von einem Freund berichten worden ist:

„Digger, ich hab mein Chef nich beleidigt, Digger! Ich hab nur ‚Digger‘ gesagt, Digger!“

Daran ist gut erkennbar, wie hoch das Verhältnis der Anrede zum restlichen Redebeitrag sein kann. Als ich nach Hamburg kam und die ersten Male Digger hörte, dachte ich noch, es handele sich um die norddeutsche Aussprache von Dicker. Bis ich aufgeklärt wurde, dass man das ja anders schreibt – wobei ich mich frage, ob das auch alle Sprecher wissen. Das weckte meine Neugier auf die Herkunft und dabei ist der Duden hilfreich:

„Bedeutung – Goldgräber;

Herkunft – englisch; »Ausgräber«;

Grammatik – der Digger; Genitiv: des Diggers, Plural: die Digger“

Warum Digger nun nicht mehr nur einen Goldgräber, sondern auch einen Freund bezeichnen kann, zeige ich am Beispiel des KumpelsKumpel hießen ursprünglich nur die Bergarbeiter. Wahrscheinlich hat es etwas sehr kumpelhaftes an sich, wenn man sehr viel Zeit miteinander verbringt – so wie die Jungs im Bergwerk. Analog dazu – der Kollege. Da man aber in Hamburg besonders gern Hip-Hop hört und Digger sich über jene Musikrichtung verbreitete, hat sich gerade dieses Wort dort durchgesetzt.

Doch nun geht es weg vom Freundschaftlichen hin zum Beleidigenden. Früher wurden umgangssprachlich nur Obdachlose mit Penner bezeichnet, heute dient es als generelles Schimpfwort. Das Verb pennen (’schlafen‘) kommt aus dem Rotwelschen, was – um es hier zu verkürzen – als deutsche „Gaunersprache“ bezeichnet wird. Leute ohne Dach auf dem Kopf sind meist darauf angewiesen, auf der Straße schlafen zu müssen. Da liegt es sprachlich nahe, dass man sie als Penner bezeichnete (und Schläfer könnte ja zumindest heute leicht zu Missverständnissen führen). Randgruppen, von der Gesellschaft missachtete Personenkreise und andersartige Menschen werden leider häufig als Vorlage für Schimpfwörter herangezogen und so kam es, dass auch der Penner zum Schimpfwort wurde.

Da finde ich die arabischen Beleidigungen wesentlich kreativer, zumindest wenn man Kaya Yanar Glauben schenken kann (ca. ab 4:20 min.):

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3 Kommentare zu “Was geht, Digger?

  1. Pingback: In your face! | Sprachlupe

  2. digger ist eine mischung ziwchen dicker und nigger…und wird ziemlich auch die gleiche art und weise benutzt wie das wort nigger unter schwarzen rappern…da wir hier in deutschland aber eher nicht schwarz sind und das wort nigger auch ansonsten nicht gern gehört wird wurde daraus digger.

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