Das geht auf keine Kuhhaut!

Ursula, Helga und Gisela beim Kaffeeklatsch. Im Hintergrund Blümchentapete und eine goldene Pendeluhr.

Helga: „Was ich in meinem Leben alles schon durchmachen musste, das glaubt ihr nicht; das geht auf keine Kuhhaut!“

Ursula: „Du reimst dir aber auch immer was zusammen! Von dem, was du erzählst, stimmt doch nicht mal die Hälfte. Was du uns schon alles für bare Münze verkaufen wolltest, das geht auf keine Kuhhaut!“

Gisela: „Ach, ihr zwei nu wieder. Könnt ihr nicht einmal aufhören, euch in die Haare zu kriegen? Bei jedem Kaffeetrinken kriegt ihr euch in die Wolle und diskutiert stundenlang über belangloses Zeugs. Dabei habt ihr wahrscheinlich keinen blassen Schimmer, warum man das überhaupt sagt, diese Redewendung, das geht auf keine Kuhhaut. Oder?“

Helga: „Ach nee, jetzt kommt wieder Gisela, die alles am besten weiß. Na, da sind wir aber mal gespannt, nich‘ wahr, Ursel?“

Ursula: „Müssen wir nur aufpassen, dass sie uns nicht wieder einen vom Pferd erzählt!“

Gisela: „Ja, ja, ihr werdet schon sehen… Also, das kommt nämlich daher, weil die Leute früher im Mittelalter dachten, dass der Teufel die ganze Zeit die Sünden, die man so macht, mitschreibt…“

Ursula: „Hui, da hätte er bei dir aber viel zu tun gehabt, Helga!“

Helga kann nicht antworten, hat den Mund voll Bienenstich.

Gisela: „…und dann haben die ja nicht auf Papier geschrieben, damals, …“

Ursula: „Jetzt willste uns weismachen, dass sie auf Kühen geschrieben haben, oder wie läuft der Hase?“

Gisela: „Ach, Ursel, lass mich doch einmal ausreden! Nein, aber die haben Kuhhaut genommen, um darauf zu schreiben. Ein Pergament aus Kuhhaut.“

Ursula: „Nee, die haben doch auf der Haut von Schafen und Ziegen geschrieben! Wenn du uns hier so weiter anlügst, dann musste noch bald zur Beichte, Gisela!“

Gisela: „Sieh an, sieh an – unsere Ursel weiß auch mal was! Hast ja auch recht mit den Ziegen und Schafen, aber von den Kühen haben sie auch die Haut genommen. Und das ist ja gerade der Witz an der Sache. Die Leute dachten ja, der Teufel würde alle Sünden mitschreiben, und das musste er ja dann auf der Tierhaut machen, weil es ja kein Papier gab. Wenn dann nu einer ordentlich viele Sünden hatte…“

Helga: „…so wie unsere Ursel!“

Gisela: „…und zwar so viele, dass der Teufel sich daran die Finger wund schreiben musste, dann waren Schaf und Ziege ja sowieso viel zu klein, nicht wahr? Deswegen sagen die Leute das mit der Kuhhaut, weil man von der Kuh am meisten Haut zusammenkriegt. Und wenn die dann noch nicht mal mehr reicht, also die Sünden alle nicht mehr drauf passen, dann reicht also der Platz von keiner Kuhhaut dafür aus.“

Ursula: „Ach, deshalb geht das dann auf keine Kuhhaut! Für Helga hätte ich dann einen anderen Spruch: ‚Das geht auf keine Elefantenhaut!‘ Haha!“

Helga antwortet nicht. Sie hat eine Kuchengabel voller Schwarzwälder Kirsch im Mund.

Gisela: „Ja, und dann haben die Leute eben gedacht, dass der Teufel einem, wenn man stirbt, die ganzen Sünden von diesem Pergament vorliest. Und dann wird auch entschieden, ob man jetzt in den Himmel kommt oder in die Hölle.“

Helga: „Ja, Ursel, wenn das so ist, brauchst du ja nicht so viele Klamotten mitzunehmen, wenn du das Zeitliche segnest. Könnte nämlich ganz schön heiß werden!“

Ursula: „Ach, du. Sei doch ruhig und nimm lieber noch ein Stück vom Mohn-Marzipan. Dein Cholesterinspiegel freut sich.“

Helga schweigt und nimmt.

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3 Kommentare zu “Das geht auf keine Kuhhaut!

  1. Spannende Erklärung in geilem Stil. Weiter so!!!!einself!!
    Ich dachte immer, das hätte irgendwas mit Fräulein Europa und ’nem Stier zu tun, der mit der Zeit sein Geschlecht gewechselt hat …

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