Der Pabst und der Papst

Sollte man aus dem Germanistik-Pabst nicht doch besser einen Germanistik-Papst machen (in „Über mich“)?

Diese Frage bezieht sich auf die Bezeichnung, welche ich auf der Seite „Über mich“ verwende. Der Fragesteller hat zwar bereits bemerkt, dass es sich dabei um ein Wortspiel handelt, dennoch möchte ich es gern für einen päbstlichen/päpstlichen Artikel nutzen.

Der Papst, also der Herr mit den schönen Kostümen und der weltoffenen Sichtweise, schreibt sich in der Mitte mit p. Sein Name geht über ein paar Ecken auf lat. papa (‚Vater‘) zurück, womit Geistliche angesprochen wurden. In Deutschland gibt es über 500 Telefonanschlüsse auf den Nachnamen Papst.

Meine Familie und ich tragen den Namen Pabst „mit b in der Mitte“, wie ich es fast schon automatisiert Leuten mitteile, die sich das aufschreiben wollen (Friseurtermin etc.). Lange Zeit wurde geglaubt, dass die Namensgebung aufgrund der charakterlichen Eigenschaften der betreffenden Personen entstanden ist; vielleicht weil der Bezeichnete besonders päpstlich, sprich ehrwürdig oder streng, aufgetreten ist. Doch neuere Erkenntnisse besagen, dass es auf eine Theaterrolle zurückgeht. Im Mittelalter in Mitteldeutschland (Thüringen und drumherum) gab es eine große Schauspieltradition. Als die Bevölkerung wuchs und sich gleiche Vornamen häuften, bedurfte es dringend einer Einführung von Nachnamen. Was ist naheliegender, als die Akteure eines Theaterstücks einfach nach den Rollen, die sie spielten, zu benennen? So wurde jeder Papst-Darsteller zum Papst oder eben Pabst. Im Mittelhochdeutschen hieß der Papst noch bābes(t), daher verwundert es nicht, dass neben der Schreibweise mit p auch die mit b in der Mitte existiert. (Ich muss dieses „in der Mitte“ immer so betonen, weil ich einmal nur „Pabst mit b“ sagte, worauf die Angesprochene mit großen Augen „Bapst?!?“ fragte und in schallendes Gelächter verfiel.)

Was mir neu war und bestimmt niemanden – bis auf die Veterinärmediziner – sonderlich interessiert: PABST wird als Merkwort für die Auskultation [= Abhorchen] der Herztöne verwendet; Pulmonal-Aorten-Bikuspidal-SeitenwechselTrikuspidalklappe. Da ist das B in der Mitte bestimmt lebensrettend, sonst würde man ja zweimal die Pulmonalklappe abhorchen (bitte korrigiert mich, liebe Mediziner, falls ich hier etwas versaubeutelt habe).

So wäre nun ja klargestellt, dass ich mich selbst nicht als Germanistik-Papst betiteln würde, aber durchaus als Germanistik-Pabst (nur eben nicht als ein verstaubter).

Und zu guter Letzt werde ich euch einen Gegenstand vorenthalten, der als Namensgeber auf gar keinen Fall in Frage kommt. Wer vor Neugier platzt, schaut hier mal hinein – aber bitte vertraulich behandeln!

–––

Neue Erkenntnisse (Ergänzung vom 03.06.2015)

Ein freundlicher Namensvetter schrieb mich vor Kurzem aufgrund dieses Artikels an, da er schon seit langer Zeit Ahnenforschung betreibe. Durch seine Kenntnisse ergeben sich weitere Hinweise auf die Entstehung des Nachnamens Pabst. Diese liste ich hier ungeprüft stichpunktartig auf:

  • Neben der Schreibweise Pabst gibt es auch ältere Formen wie z. B. Babst, Bapst (also doch!) und Papst.
  • Frühe Namensvorkommen (vor 1600) finden sich insbesondere in Gegenden Deutschlands, deren Fürsten bzw. Reichstädte der Protestaktion auf dem Speyerer Reichstag 1529 angehörten.
  • Vermutung: Die Altgläubigen, die nicht den neuen Glauben annehmen wollten, sondern an der Papstkirche festhielten, wurden Babest, Babist (sprich Papist) oder Römer genannt.
  • Diese These könnte erklären, weshalb der Name sehr oft in Hessen, Thüringen, Sachsen und im Hannoverschen auftaucht, aber viel seltener in früher rein katholischen Gebieten.

Danke, werter Namensvetter, für Ihre Hinweise!

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Ein Kommentar zu “Der Pabst und der Papst

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