Die rosarote Brille

Man sagt ja die „rosarote“ Brille. Warum denn nicht die „pinke“ Brille? Weil eigentlich ist ja rosarot = pink, oder? So stell ich mir das zumindest vor. Oder ist die Brille mit einem Glas rot und mit einem rosa – eher unwahrscheinlich. Oder so marmoriert? Oder stellst Du Dir die in rosa oder nur in rot vor?

Welch ein schöner Themenwechsel nach dem letzten todernsten Blogartikel. Nun wird’s verliebt!

Wenn du mich fragst, so habe ich mir die Brillengläser immer rosarot – also als eine Mischung aus Rosa und Rot – vorgestellt. Ob dabei Pink rauskommt, müsste man mal jemanden fragen, der sich damit auskennt. Ist aber für uns unwichtig, weil Rosa hier einfach nur die Art des Rot genauer definiert. So wie das Blau in hellblau durch hell exakter bestimmt wird. Die Duden-Definition lautet: Rosarot = „von einem ins Rosa spielenden hellen Rot“. Dass wir nicht von der pinken Brille sprechen, liegt an dem späten Einzug des aus dem Englischen stammenden pink. Aus engl. pink ‚Nelke‘ entstand pink-coloured ’nelkenfarbig‘, daraus dann pink ‚pink‘. So hat auch die Farbe Rosa ihren Namen von einer Blume – von welcher wohl?!

Die rosarote Brille steht für Verliebte und sonstige Träumer, die durch ihren übertriebenen Optimismus zu Weltfremdheit neigen. Aufgrund ihrer Weichheit werden mit der Farbe Rosa weibliche Eigenschaften assoziiert. Somit nutzten die Nationalsozialisten den „Rosa Winkel“, um Schwule zu kennzeichnen, weil sie diese als verweiblicht einstuften. Rosa kommt vor allem auch in der Babymode zum Einsatz für Mädchen (und blau für Jungen), doch das ist erst seit den 20er Jahren so. Vorher war rosa (als „kleines Rot“) eine Farbe von Kampf und Macht, was traditionell eher Männern zugeschrieben wird. Blau dagegen, als Farbe der Mutter Maria, galt als weiblich. Dann kamen die blauen Marineanzüge und der Blaumann – und schon wendete sich das Blatt und die Babys mussten sich dem Modewechsel anpassen.

Heute jedenfalls steht Rosa für positive Gedanken, was sich auch in der Wendung rosige Zeiten widerspiegelt. Wenn das ganze ein Übermaß annimmt, bekommt man nun mal die rosarote Brille verpasst und zeigt irreale, blumig-blütende Gedankengänge. Wenn von Denken überhaupt die Rede sein kann. Denn wenn’s ganz übel kommt, sieht man gar keine Farben mehr – Liebe macht ja bekanntlich blind…

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