Der Tod und seine Verwandten

Wann schreibt man Tot mit T und wann Tod mit D?, oder schreibt man immer Tod mit d oder mit t? sagt man dann Tod mit d dann auch mit d und den Tot mit t dann mit einem harten t? ich bin verwirrt… 🙂

Dann will ich mal für Entwirrung sorgen. Zunächst einmal existieren das Nomen (der) Tod und das Adjektiv tot, sie unterscheiden sich in Groß-/Kleinschreibung sowie der Endung auf die Buchstaben d bzw. t. In der Aussprache besteht kein Unterschied – beides [to:t] –, da es im Deutschen zur Auslautverhärtung kommt. Auslaut heißt der letzte Laut eines Wortes oder einer Silbe. Wenn der letzte Buchstabe z. B. ein <b>, <d> oder <g> ist, wird dieser verhärtet ausgesprochen, also [p], [k] und [t]. Erst bei Pluralbildung oder ähnlicher „Verlängerung“ des Wortes werden die Laute weich ausgesprochen. Beispiele:

  • das Bad [‚ba:t], die Bäder [‚bε:.dɐ]
  • der Tod [‚to:t], die Tode [‚to:.də]
  • die Burg [‚bʊʁk], die Burgen [‚bʊʁ.gən]

In der Zeit des Mittelhochdeutschen wurde die Auslautverhärtung übrigens auch am Schriftbild sichtbar: bat, burc und tōt.

Wie schreibt man totgeweiht/Tode geweiht/todgeweiht?

Bei den zusammengesetzten Wörtern (Komposita) ergibt sich auf den ersten Blick ein Problem:

  • todgeweiht, dlich, Todfeind – aber:
  • totbeißen, totgeglaubt, Totholz

Wir können nicht sofort erkennen, wann [to:t] mit d oder t geschrieben wird. Dafür muss man den zusammengesetzten Begriff auseinandernehmen und umschreiben:

  • todgeweiht – ‚dem Tod geweiht‘
  • Todfeind – ‚Todesfeind‘, ‚ein bis auf den Tod gehasster Feind‘
  • totbeißen – ‚beißen, bis jemand tot ist‘
  • totgeglaubt – ‚man glaubt, jemand sei tot‚ (man glaubt ja nicht, er sei der Tod)

Bis dahin alles gut. Und was machen wir mit tödlich?

Dazu wieder eine kurze Zeitreise in die Vergangenheit: Die Adjektivendung -lich geht auf das mittelhochdeutsche Nomen līch zurück. Dieses kennen wir heute – passender könnte es für diesen Blogartikel nicht sein – als ‚Leiche‘. Ursprünglich bedeutete es ganz allgemein ‚Körper, Gestalt‘. Jemand, der freundlich ist, tritt in ‚Gestalt eines Freundes‘ auf und einem verdrießlichen Menschen wohnt das ‚Wesen des Verdrusses‘ inne. So zeichnet sich eben auch ein tödliches Mittel durch seine ‚Todesgestalt‘ aus.

Hoffentlich konnte ich hiermit den Knoten lösen. Und wer weiß – vielleicht reduzieren sich dann bald die ca. 427.000 deutschsprachigen Google-Treffer für „der Tot“.

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2 Kommentare zu “Der Tod und seine Verwandten

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