Jemandem den Garaus machen

Es ist kurz vor 9 Uhr abends. In der Gaststätte bestellen einige Trinkfreudige noch eifrig ein letztes Bier, bevor die Sperrstunde ausgerufen wird. Dann ist es soweit – der Schankwirt ruft: „Gar aus!“ Jetzt gilt es auszutrinken, weitere alkoholische Bestellungen werden nicht mehr entgegengenommen. Wer die Polizeistunde und das damit verbundene Trinkverbot nicht einhalten möchte, muss sich in heimlichen, dunklen Ecken der Stadt zusammenfinden. Doch Vorsicht sei geboten – es drohen üble Strafen für dieses Vergehen.

So oder ähnlich mag es im süddeutschen Mittelalter ausgesehen haben. Der Ausruf des Wirtes bedeutete soviel wie ‚vollständig austrinken‘. Das kleine Wörtchen gar trug die allgemeine Bedeutung ‚fertig, bereit‘. Dies wird heute noch am Küchenvokabular deutlich. Wenn das Fleisch gar ist, ist es ‚fertig‘ gebraten und ‚bereit‘ zum Servieren.

Garaus stand ursprünglich für das Ende der Ausschankzeit und das Schließen der Stadttore. Im Verlauf wurde es zum Synonym für jegliches Ende bis hin zum Lebensende. Denn dafür steht die Redewendung heute: Jemandem den Garaus machen bedeutet nun ‚jemanden umbringen, töten‘. So gibt es auch eine Pflanze mit dem Namen Garaus. Sie hat die Eigenschaft, den umliegenden Gräsern Salze zu entziehen, sodass diese absterben. C’est la vie – oder besser: C’est la mort.

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