Goethe und die Rechtschreibreform

Warum schreibt sich Goethe nicht mit ö?

Ich könnte jetzt ganz weit ausholen und die Entstehungsgeschichte der Umlaute Ä, Ö und Ü im Deutschen erklären. Um euch nicht zu langweilen, lasse ich das lieber. Nur so viel: Die Umlaute wurden früher mit einem kleinen e über den Buchstaben A, O und U markiert, aus dem e wurden dann später die Pünktchen.

Was unseren Goethe betrifft, so kursiert im Netz, dass lange Zeit zwei Schreibweisen nebeneinander existierten und er selbst auch manchmal als Göthe unterzeichnet habe. Das folgende Foto von 1898 zeigt die Göthestraße in München, die heute Goethestraße heißt.

Straßenbahn München - Göthestraße 1898 - PD

Wieso auch immer sich die heutige oe-Schreibung durchgesetzt hat, ist unklar. Vermutlich, weil seine Eltern sich schon mit oe schrieben. Doch Goethe ist nicht der einzige Schriftsteller, der an seinem Namen herumgebastelt hat. Auch der Autor Grass modellierte ein wenig, denn er kam gebürtig als Günter Graß zur Welt.

Nun könnte der Eindruck entstehen, man könne seinen Nachnamen einfach so schreiben, wie man möchte. Dem ist nicht so. Nachnamen gehören wie alle Personen-, Orts-, Institutions- und Produktnamen zu den Eigennamen. Das besondere an diesen ist, dass sie unveränderlich und somit unabhängig von Rechtschreibtrends sind. Nur weil sich die Orthografieregeln geändert haben, wie z. B. dass nach einem kurzen Vokal kein ß mehr steht, wird ein Herr Nußbaum seinen Nachnamen nicht in Nussbaum ändern (müssen). Auch der Teemarkenname Meßmer bleibt, wie er ist. Daher heißt auch der Platz auf der Spreeinsel in Berlin weiterhin Schloßplatz, der ehemalige Hindenburgplatz in Münster hingegen Schlossplatz – weil er diesen Namen erst vor ungefähr drei Monaten bekam.

1901 wurde die deutsche Schriftsprache erstmals verbindlich geregelt. Davor hat man mehr nach Gefühl oder unterschiedlichen – z. B. nach preußischen oder bayrischen – Regelungen geschrieben. Man findet in der Literatur das Thürschlosz neben dem Thürschloß und dem Thürschloss.

Hier und da haben wir auch heute ein paar Freiheiten in der Schreibweise: Delfin – Delphin, aufwendig – aufwändig, Fotografie – Photographie, Brennnessel – Brenn-Nessel.

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4 Kommentare zu “Goethe und die Rechtschreibreform

  1. Der Herr Nußbaum wird übrigens in der Personalabteilung seiner Firma als Herr Nussbaum geführt, seitdem die Personalakten elektronisch verwaltet werden – denn das dumme Computersystem konnte einfach kein ß. Auch in E-Mails scheibt er seinen Namen lieber als Nussbaum, weil sonst manchmal Nußbaum statt Nußbaum herauskommt.
    Erst so jetzt langsam nach und nach kommen die Computer mal in Schwung, dass das mit dem ß besser klappt. Aber jetzt hat sich Herr Nußbaum so sehr daran gewöhnt, Nussbaum zu heißen, dass er das einfach so beibehält und nur noch in seinem Personalausweiß Nußbaum steht.

  2. So geht es mir auch oft mit dem Akut (aus dem Französisch-Unterricht auch als accent aigu bekannt) auf dem e in André. Viele Systeme kommen damit nicht zurecht und einige echte Menschen auch nicht. Andrè, Andr´e, Andre´, Andre – alles schon erlebt. Vom Nachnamen ganz zu schweigen…

  3. Ja richtig, das EDV-Problem gibt es bei Dir ja auch 😉 Bei Deinem Nachnamen wird ein Nicht-Eingeweihter aber ja nur hinschreiben, was er mit dem Klang assoziiert. Ich staunte nicht schlecht, als ich einst mit jemandem telefonierte, der sich mit „Hühnermörder“ meldete. Das war sogar tatsächlich sein Nachname. Nachnamen entstehen ja oft aus Berufsbezeichnungen…

    Zwar schweife ich jetzt endgültig ab, aber wie bei Namen manchmal der Amtsschimmel wiehert…
    Polnische Einwanderer, die ihre Tochter Anja einbürgern lassen. Der Herr Standesbeamte trägt sie als Anna ein …weil das ja die deutsche Entsprechung für Anja sei. Aber natürlich heißt sie weiterhin überall Anja und geht als solche auch zehn Jahre lang zur Schule.
    Was meins’te wohl, wie dumm sie aus der Wäsche geschaut hat, als sie „Das sind Sie ja gar nicht“ zu hören bekam, als sie bei einer Bewerbung Schulzeugnis und Personalausweis vorlegen sollte.

  4. Pingback: Eszett-Geschichten | Sprachgedanken

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