Am Hungertuch nagen

Es ist mit Sicherheit keine schöne Erfahrung, wenn jemand so sehr hungert, dass er verzweifelt an einem Stück Stoff knabbern muss. Die Redewendung der Woche beschreibt jedoch nicht nur den Hungerzustand, sondern auch finanzielle und existenzielle Nöte. Doch was sollte es uns bringen, an einem Tuch zu nagen, wenn es sicherlich nicht schmeckt, geschweige denn, dass wir satt davon würden?

Die Erklärung ist: Die Wendung am Hungertuch nähen, die mindestens seit dem 16. Jahrhundert bestanden hat, wurde mit der Zeit umbenannt. Mit dem sogenannten Hungertuch wurde in der Fastenzeit der Altar verhüllt, um die Gemeinde symbolisch zur Buße aufzufordern. Oftmals taten sich mehrere Frauen zur Anfertigung eines solchen Fastentuchs zusammen und auch heute noch wird dieses Tuch in vielen Kirchen von Aschermittwoch bis Karsamstag im Altarraum aufgehängt.

Das Hungertuch ist unter anderem auch als Schmachtlappen bekannt. Im Ruhrgebiet bezeichnet man damit eher einen großen dünnen Mann. Ein solcher sollte also aufpassen, dass er in der Fastenzeit nicht quer über den Altar gelegt wird. Wenn er nämlich die vierzig Tage nicht überlebt, muss er folglich den Löffel abgeben.

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