[‚çi:na], [‚ki:na] und [‚ʃi:na]

Nein, ich stelle euch hier keine neue Sprache vor. Was ihr in der Überschrift seht, sind drei Möglichkeiten, China auszusprechen. Der Laut [ç] klingt wie ch in ich, [k] wie k in Kino und [∫] wie sch in Scheibenkleister.

In der deutschen Standardsprache wird ch vor e und i am Silben- oder Wortanfang normalerweise [ç] ausgesprochen:

  • China [‚çi:na]
  • Chemie [çe’mi:]

Warum sagen wir dann zum Chiemsee nicht [‚çi:mze:]? Weil er in Bayern liegt und dort – wie auch in Österreich – ch am Anfang meist als [k] ausgesprochen wird:

  • China [‚ki:na]
  • Chemie [ke’mi:]

Und deshalb heißt das „bayrische Meer“ auch [‚ki:mze:]. Die dritte Variante mit dem Laut [ʃ] stammt aus Hessen, wo dieser sehr beliebt ist: „Alle Hesse sind Väbräschä, denn sie klaue Aschebäschä!“ Also lautet es dort:

  • China [‚i:na]
  • Chemie [e’mi:]

Weitere Formen zur Aussprache von ch kommen durch den Import aus anderen Sprachen zustande. So gibt es für Chile sogar zwei hochdeutsche Varianten: Zum einen [‚çi:le], aber zum anderen auch [‚t∫i:le] – wie tsch in Matsch. Dies entspricht den spanischen Lautregeln und bleibt damit der Herkunftssprache treuer, was allerdings bei China schwierig wird: Das heißt auf Chinesisch 中國, also Zhōngguó, und kann daher keinen Aufschluss über die „original chinesische“ Aussprache von China geben. „Pesch“, würde der Hesse sagen.

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