Ergibt „Sinn machen“ keinen Sinn?

Sprache kann durchaus Diskussionen hervorrufen. So wandte sich ein Leser an mich, der sich immer anhören müsse, dass Sinn machen nicht korrekt sei und es Sinn ergeben heißen müsse. Dem gehe ich vor allem deshalb gern auf die Spur, da auch bei mir die Dinge häufiger Sinn machen als ergeben.

Fest steht, dass Sinn machen eine Lehnübersetzung aus dem englischen Sprachraum ist:

  • to make sense (’sinnvoll sein‘, ‚Sinn ergeben‘)
  • it makes no sense (‚es hat/ergibt keinen Sinn‘)
  • it doesn’t make sense (‚es ist unverständlich‘) [de.pons.eu, 02.05.2012]

Viele sind der Meinung, es handele sich bei der Wendung Sinn machen um eine neudeutsche Erscheinung, wobei diese bereits 1760 bei Lessing zu finden ist:

„Ein Übersetzer muß sehen, was einen Sinn macht.“ [zeno.org, 02.05.2012]

Der Duden erklärt den gemachten Sinn für Umgangssprache. Stattdessen kann beispielsweise etwas einen Sinn ergeben, wenn es schlüssig und gedanklich nachvollziehbar ist:

„Es ergab überhaupt keinen Sinn, was du mir um 5 Uhr morgens nach unserer Kneipentour zu erklären versucht hast.“

Auch kann eine Sache durchaus einen Sinn haben, wobei es dabei um das Ziel, den Zweck und den Wert dieser geht:

„Wofür muss ich denn die Desoxyribonukleinsäure kennen, wenn ich doch später Popstar werden will? Das hat doch keinen Sinn!“

Beide Beispielsätze lassen sich auch mit Sinn machen bilden, wobei – wie gesagt – der Duden dies nur umgangssprachlich zulässt. Doch was heißt eigentlich „Umgangssprache“?

„(Sprachwissenschaft) Sprache, die im täglichen Umgang mit anderen Menschen verwendet wird; nicht der Standardsprache entsprechende, aber weitgehend akzeptierte, meist gesprochene überregionale Sprache“ [duden.de, 02.05.2012]

Also ist Sinn machen „weitgehend akzeptiert“, vor allem sprachlich. Damit sei allen gesagt, die es gern gebrauchen: Einem mündlichen Gebrauch steht nichts im Wege, aber in formellen Kontexten würde ich es dennoch nicht nutzen. Das könnte in einer wissenschaftlichen Arbeit zu Punktabzügen führen.

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22 Kommentare zu “Ergibt „Sinn machen“ keinen Sinn?

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    • ich kann mich dem Dank nur anschliessen.
      Wie nur wenige andere, übliche, weit verbreitete und geschichtlich klar dokumentierte Formulierungen, schafft es „Sinn machen“, selbstgerechte Möchtegernpolizisten mit gefährlichem Halbwissen hervorzulocken.
      Gut wenn gebildete Menschen hier aufklären.

  3. Auch wenn die Phrase „Sinn machen“ zum Leidwesen vieler Menschen, deren Sprachempfinden noch nicht völlig abgestumpft ist, umgangssprachlich immer häufiger anzutreffen ist, wird sie dadurch trotzdem nicht korrekt.

    Da dieser Blogeintrag bei Google sehr weit oben steht und somit immer noch Leser auf die falsche Fährte führt, fühle ich mich veranlasst hier einen Link zu einer sehr guten und ausführlichen Abhandlung zu diesem Thema zu hinterlassen:

    http://www.belleslettres.eu/content/sprache/sinn-machen.php

    • Vielen Dank für die Verlinkung zu dem interessanten Artikel. Wie dessen Autor habe ja auch ich geschlussfolgert, dass eine umgangssprachliche Verwendung möglich ist, aber auf den schriftsprachlichen Gebrauch verzichtet werden sollte. Somit sehe ich die „falsche Fährte“ nicht, die Sie ansprechen.

  4. Leuten wie Diir müsste man die Hände abhacken, damit sie keine Scheiße mehr schreiben können… „macht weiter so“ , empfiehlst du den ganzen verblödeten Sinnmacher-Schafen auch noch??

    Gut, dass du nicht der Duden und auch nicht die Instanz für deutsche Rechtschreibung bist… Solltest du das hier dennoch beruflich machen, so lautet meine Empfehlung: Montagmorgen beim Arbeitsamt melden…

    • Lieber Tim,
      Sinn machen existiert in der deutschen Sprache schon mindestens seit 1760. Große Dichter und Denker wie Lessing und Max Frisch haben diese Formulierung verwendet (https://scilogs.spektrum.de/sprachlog/max-frisch-macht-sinn/).
      Hätte man ihnen deswegen die Hände abgehackt, hätten sie die deutsche Literatur nicht derart bereichern können, wie sie es getan habe.
      Danke auch für deine Empfehlung. Wie auch in meinem Artikel sorgfältig getrennt, verweise ich meine Schüler*innen immer darauf hin, in welchen Kontexten welcher Sprachgebrauch angebracht ist. Die Arbeitsagentur kann also noch auf sich warten lassen. 🙂

  5. Ich stimme Tim zu – gut, dass du kein Wörterbuch bist, sonst hättest du diesen Artikel nicht schreiben können! ; )
    Es fällt auch angenehm auf, wie du auf die aggressiven Kommentare der selbsterklärten Linguisten reagierst. Weiter so!

  6. Ich habe mich nach dem Lesen des Artikels gefragt, wie es um die Redewendung „einen Unterschied machen“ steht. Ich habe noch niemanden getroffen, der diese verschmäht hätte. Auch hier könnte das englische „to make a difference“ Pate gestanden haben und es scheint mir der gleichen Logik zu folgen wie „Sinn machen“. Mich würde Eure Meinung dazu interessieren.

  7. Verzeiht den zerstückelten Gedankengang, aber wie steht es mit „Spaß machen“? Auch diese Kombination scheint mir der gleichen Logik zu folgen und könnte ein Anglizismus sein, auch dafür wurde ich aber noch nie „angezählt“.

    • Im Gegensatz zum Sinn (einem festen Konstrukt), bezieht sich Spaß auf eine Emotion. Emotionen können sich ändern, ein tragischer Zwischenfall an einem ohnehin schon stressigen Tag kann dich noch trauriger oder noch zorniger machen. So können auch gewisse Aktivitäten Spaß machen (stell dir den Spaß als leeres Glas vor, das von der Aktivität gefüllt wird).
      Bei ‚einen Unterschied machen‘ ist es nahezu identisch. Ein Unterschied wäre messbar (die Situation verändert sich zum Guten/Schlechten). Wenn ein Glas halbvoll ist und du einen Schluck Wasser hinzugibst, MACHST du einen Unterschied zur vorigen Situation.
      Sinn ist immer entweder vorhanden oder nicht gegeben. Der Apfel ist rund, deshalb rollt er – ergibt Sinn. Der Apfel ist rund, rollt aber nicht – ergibt keinen Sinn. Man kann einer Sache nicht mehr Wert (Sinn) zuweisen (machen), wenn das Endergebnis feststeht. ‚Sinn zu machen‘ ist logisch einfach falsch.
      Um das noch einmal mit dem Glas zu verdeutlichen: Entweder das Glas ist intakt und voll, oder es ist ein Loch im Boden und der Inhalt verschwindet.
      Hoffe, dass ich mich (zumindest halbwegs) verständlich ausdrücken konnte. 🙂

  8. Die einfachste Erklärung, warum etwas keinen Sinn ‚machen‘ aber ‚ergeben‘ kann, ist relativ simpel. Sinn ist ein anderes Wort für Logik, was wiederum auf die Naturgesetze zurückzuführen ist (Der Ofen ist heiß – Logische Schlussfolgerung: Man verbrennt sich die Finger). Da das Universum, und somit auch die Naturgesetze, mathematischen Gleichungen folgen und Gleichungen immer zu einem ERGEBNIS führen, welches niemals erzwungen bzw. ‚gemacht‘ werden kann (2 + 2 ist immer 4), kann also auch ein Sinn nicht ‚gemacht‘ werden. Man kann keinen neuen Kontext für eine Situation erfinden.
    Kurz: Sinn zu machen ergibt keinen Sinn.

  9. Eins plus eins macht zwei.
    Zwei Brezeln und ein Laib Brot, das macht dann bitte fünf Euro.

    Eine Handlung macht Sinn, wenn sie im Beobachter eine schlüssige Erklärung hervorruft, also als Auslöser und Urgrund des Entstehens dieses Eindruckes auftritt, den wir gerne mit dem Wort „Sinn“ umschreiben.
    Die Schriftsprache zu normieren macht in vielerlei Hinsicht Sinn, je länger man darüber sinniert, umso mehr Sinn scheint es zu machen.
    Aus dieser künstlich definierten „Schreibe“ Verbote für die natürliche, echte Sprache herzuleiten, kann allerdings gehörig in die Hose gehen.
    Zugegeben, das Wort „machen“ wirkt als Allerweltswort nicht so elegant wie das Wort „ergeben“.
    Wer allerdings einem anderen die Verwendung einer völlig normalen Sprechweise schlechtreden will, der handelt böswillig und wirkt weder erwachsen, noch elegant.

  10. Liebes Sprachlupe.Wordpress-Team,
    es ist natürlich wirklich schön das ihr unwissende Leute über den reinen Logikfehler aufklärt, doch bitte lässt doch diesen Appell am Ende dieses Beitrages weg. Ich hoffe sogar eher darauf das der Duden es als Fehler deutlicher kennzeichnet. Denn ich finde es besteht ein Unterschied zwischen Eindeutschen/Umgangssprache und Logikfehler.
    Also mein alternativer Appell:“Bitte versucht über solche Sachen nachzudenken. Aus der Umgangssprache wird schnell mal die Regel, und bevor etwas so schwachsinniges noch vom Duden akzeptiert wird, vermeidet doch lieber einfach diesen Fehler.

  11. Also anfänglich hat mir dieser Artikel gefallen. Aber als dann die Aufforderung kam, damit weiter zu machen in der Hoffnung, dass der Duden den Hinweis auf die Umgangssprache dann bald entfernt, bin ich fast vom Stuhl gefallen.
    Gemäß der deutschen Grammatik ist das schlicht und einfach FALSCH! Und ich finde es eine Schande, dass es auf einmal richtig sein soll, weil es alle machen. Schlimm genug, dass es überhaupt im Duden steht, aber die Hoffnung zu äußern, dass es bald als korrektes Deutsch gilt und die Leute zu ermutigen, diese falsche Redewendung weiter zu benutzen, ist komplett der falsche Weg!
    Die deutsche Sprache schafft sich selber ab. Der Genitiv ist ja schon aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Bravo!

  12. Es freut mich, dass dieser Artikel so viele Diskussionen hervorruft. Dadurch wird deutlich, dass uns Sprache nicht egal ist.
    Eine Zeit lang habe ich mich herausgehalten, um mir meine Meinung dazu zu bilden. Ich habe mich nun entschieden, die Aufforderung „macht weiter so“ herauszunehmen. Denn ich denke, jeder und jedem ist es selbst überlassen zu entscheiden.
    Wichtig ist mir dennoch die Trennung zwischen formellem und informellem Gebrauch. Unter Freundinnen und Freunden, im WhatsApp-Chat oder Ähnlichem ist die Verwendung von „Sinn machen“ durchaus üblich und in Ordnung – daher auch der Duden-Hinweis aufs Umgangssprachliche. Im Schriftsprachlichen ist es (noch) nicht angekommen, daher sollte hier „Sinn ergeben“ beibehalten werden. Ob und wie sich das verändern wird, wird die Zeit zeigen.

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