Heidewitzka, Herr Kapitän!

Woher kommt „Heidewitzka“?

Verwendet wird es, um Bewunderung, Erstaunen oder Vergnügen zu äußern.

  • Heidewitzka, du bist aber dick geworden!
  • Heidewitzka, ist das ein Spaß!

In dem Lied Heidewitzka, Herr Kapitän aus dem Jahre 1936 taucht dieser Ausdruck zum ersten Mal auf. Erfunden wurde er von Karl Berbuer, der sich damals für den Kölner Karneval engagierte und mit seinem Stimmungslied etwas dazu beitragen wollte. So erfolgreich war er damit, dass er lebenslänglich von den Einnahmen leben konnte.

Nun wird auf einer Internetseite der Akademie för uns kölsche Sproch fleißig diskutiert, welche tiefere Bedeutung Heidewitzka in sich trägt. Personen, die von Heidewitz, Witzka oder Dewitz heißen bzw. mit jenen verwandt sind, sehen einen persönlichen Bezug darin. Weiterhin wird Berbuer unterstellt, er habe die Rettung von Polen oder Sozialdemokraten vor den Nazis mit dem englischen Aufruf hide a Witzka beabsichtigt. Auch die Forderung nach der Beseitigung Hitlers wird vermutet, wenn man es als hide a whisker (’schafft den Schnurrbart ab‘ o. ä.) interpretiert. Alle weiteren Überlegungen, was Berbuer gemeint haben könnte, werde ich hier nicht aufführen, das würde den Rahmen sprengen.

Nur noch zwei: Vonseiten der Akademie kommen folgende Möglichkeiten in Betracht. Erstens sei der erste Kapitän des Mülheimer Schiffchens, Herr Witzka, vermutlich Heide gewesen. Das christliche linksrheinische Köln hatte eine „Heidenangst“ vor den Ungläubigen und das Lied stelle einen Lobgesang auf die rheinische Schifffahrt dar. Zweitens könne Heidewitzka eine Verballhornung des Hitlergrußes gewesen sein, welcher im selben Jahr eingeführt wurde.

Letztendlich bietet sich ein solcher Stimmungsaufruf wunderbar für den Kölner Karneval an, bringt gute Laune und versüßt das Kölsch. Vielleicht steckt also gar nichts dahinter und Berbuer würde sich jetzt ordentlich ins Fäustchen lachen.

Doch wer hätte gedacht, dass Heidewitzka, Herr Kapitän sogar zeitweise als Deutschlands Ersatzhymne diente? Auf einem Besuch in Chicago wurde der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer mit diesem Lied empfangen. Er war nicht begeistert.

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