Theo, wir fahr’n in das Lodz

Warum heißt es eigentlich, man fährt „nach Österreich“ oder „in die Schweiz“ und weder „in das Österreich“ noch „nach Schweiz“?

Die meisten Länder und Orte sind wirklich zu bedauern – sie haben nicht mal einen Artikel. Aber man sollte nicht annehmen, dass sie deswegen auch kein grammatisches Geschlecht (Genus) besitzen. In manchen sprachlichen Situationen wird deutlich, dass sie Neutra sind, weil sie dann doch einen Begleiter bei sich haben:

  • „So sei es Joachim Gauck in seiner Antrittsrede durchaus darum gegangen, wie das Deutschland beschaffen sein soll, das wir den Enkeln vererben […].“ (maerkischeallgemeine.de, 12.04.2012)
  • das wilde Berlin der 90er Jahre“ (orf.at, 19.04.2012)
  • „Die Europäische Kommission verklagt Frankreich, weil es die EU-Luftqualitätswerte für Feinstaub (PM10) nicht einhält.“ (europa.eu, 19.05.2011)

Aber es gibt natürlich auch Länder- und Landschaftsnamen mit standardmäßigem Artikel. Die meisten sind weiblich, wie die Schweiz, die Mark Brandenburg und die Türkei. Der Sudan ist ein männlicher, das Elsass ein sächlicher Vertreter.

Dass man in die Schweiz und nach Österreich fährt, richtet sich nach dem (nicht vorhandenen) Artikel, so wie bei in die Schule gehen und nach Hause laufen. Kommt bei den artikellosen Länder- und Ortsnamen ein Begleiter hinzu, verändert sich auch die Präpostion:

  • Ich fahre trotz schlechter Feinstaubwerte nach Frankreich.
  • Ich fahre wegen der Sehenswürdigkeiten in das vielfältige Frankreich.

Wäre es nicht naheliegend, immer das Österreich und die Dänemark zu sagen? Es heißt doch auch das Reich und die Mark! Das tun wir aber deshalb nicht, weil diese Ländernamen heute als Einheit aufgefasst werden und sich das Geschlecht nicht mehr unbedingt nach dem ursprünglichen Namen richten muss.

Auch Deutschland hatte mal einen Artikel: Im Mittelhochdeutschen (ältere Sprachstufe des Deutschen, ca. 1050 – 1350 n. Chr.) hieß unser Land noch daz diutsche lant (wird ausgesprochen wie „das düütsche land“). Heute sind wir zwar artikellos, dafür haben wir Joachim Gauck. Wenn wir uns in Süddeutschland befinden, bekommt sein Vorname sogar einen Artikel.

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Ein Kommentar zu “Theo, wir fahr’n in das Lodz

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