Wie alt bist du? – Zwanzigfünf, bald zwanzigsechs!

Wieso sagt man im Deutschen (und nur wenigen anderen Sprachen) „dreiundzwanzig“ statt „zwanzigunddrei“ oder „zwanzigdrei“?

Bei der Frage fällt mir wieder mein Matheunterricht ein. Einige Mitschüler neigten dazu, bei Zahlen zuerst den Einer zu schreiben und dann den Zehner davor zu setzen, also in der Reihenfolge, in der wir die Ziffern sprechen. Derart verdreht zu zählen, wie wir es im Deutschen tun, verursache unter anderem Hör-, Denk- und Sprechfehler – laut Homepage des Vereins Zwanzigeins e. V. Sein Gründer, Prof. Lothar Gerritzen, möchte neben der bisherigen eine logischere Zählweise etablieren, wie sie in vielen anderen Ländern angewandt wird. Die Zahl 21 heißt z. B. auf Spanisch veintiuno (aus veinte ‚zwanzig‘ und uno ‚eins‘) und nicht univeinte, sodass die einzelnen Ziffern in Schreib-Reihenfolge auftauchen. Eine Schulrektorin aus Bochum unterrichte seit über 25 Jahren nach dem „entdrehten“ Prinzip, was die Schülerleistungen in Mathematik deutlich verbessert habe.

36.459 hieße demnach dreißigsechstausendvierhundertfünfzigneun.

Für viele ist es undenkbar, doch andere Länder haben bereits bewiesen, dass eine Reform möglich ist. 1951 wurde in Norwegen per Gesetz die Zehner-vor-Einer-Lesart eingeführt, England war schon im 16. Jahrhundert der Meinung, es sei Zeit für einen Wechsel. Reformiert wurden dort allerdings nur die Zahlen über 20, schließlich sagen sie ja heute noch thirteen bis nineteen.

Bevor ich weiter abschweife, nun die Antwort auf das Warum. Die Reihenfolge der Ziffernnennung wie bei ein-und-zwanzig geht auf das Indogermanische zurück und ist somit über 4000 Jahre alt. Damals wurden die Zahlen durch Striche markiert, und zwar erst die Einer (I), dann die Zehner (X). Das sah dann so aus:

  • IIIX = 13
  • IXX = 21

Später haben die Römer zwar an der Schreibweise gedreht, nicht aber an der „Sprechrichtung“.

Warum nun die Indogermanen überhaupt angefangen haben, so zu zählen? Wenn du mal einen von denen triffst, dann frag ihn bitte!

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