Eine hauchdünne Entscheidung

Woher kommt die Redewendung „auf Messers Schneide stehen“?

Eine Angelegenheit steht vor einer knappen Entscheidung. Es ist äußerst unsicher, ob diese positiv oder negativ ausgehen wird. In diesem Fall besteht die perfekte Voraussetzung dafür, diese Wendung zu nutzen. So sagte auch die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin vor etwa zwei Wochen: „Die Schlecker-Bürgschaft steht auf Messers Schneide“. So aktuell die Verwendung dieses Phraseologismus auch heute noch sein mag, hat sie dennoch eine lange Tradition.

Bereits in der Ilias (frühstes bekanntes Epos von Homer, vermutlich um 730 v. Chr. geschrieben) stehen folgende Verszeilen:

Denn nun steht es allen fürwahr auf der Schärfe des Messers:
Schmählicher Untergang den Archaiern oder auch Leben!

Die Textstelle ist damit der Ursprung, aus dem die Redewendung entstanden ist. Wer jetzt enttäuscht ist, dass da Schärfe statt Schneide steht, dem sei gesagt: Es handelt sich um eine Übersetzung des altgriechischen Originals. Aber es steht natürlich jedem frei, selbst zu prüfen, ob die Bedeutung Schneide nicht auch möglich ist:

νῦν γὰρ δὴ πάντεσσιν ἐπὶ ξυροῦ ἵσταται ἀκμῆς
ἢ μάλα λυγρὸς ὄλεθρος Ἀχαιοῖς ἠὲ βιῶναι

Und?

[Hier der Link zur entsprechenden Textstelle der Ilias.]

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