Wenn die letzten Tage vergangene sind…

Warum ist die Verwendung von „letzten“, wenn „vergangenen“ gemeint ist, so verbreitet?

Für vergangene(r, s) kann ich im bestimmten Fällen ebenso gut letzte(r, s) sagen. Es spielt dann keine Rolle, für welche Variante ich mich entscheide:

  1. Ich war letzte Woche auf Fuerteventura.
  2. Ich war vergangene Woche auf Fuerteventura.

Die Aussage ist hier synonym (gleichbedeutend). Allerdings funktioniert das umgekehrt nicht immer: Mit dem letzten Abendmahl ist nicht das vergangene gemeint, sondern dass es kein weiteres geben wird. Letzte(r, s) hat nun mal noch eine weitere Bedeutung, was unter Umständen zu Missverständnissen führen kann:

Das war mein letzter Freund!

Hier kann die sprechende Person einerseits ihren Ex-Freund benennen:

Kennst du eigentlich Jan? Das war mein letzter Freund!

Andererseits kann sie damit aber auch äußern, dass sie künftig keinen mehr haben wird oder will:

Mir reicht’s endgültig – das war mein letzter Freund!

Aufgrund seiner Doppeldeutigkeit kann letzte(r, s) hier zu Missverständnissen führen, es ist eben nicht immer synonym zu vergangene(r, s).

Im vorigen Artikel (Immer öfter „öfters“) ging es um das Effizienzstreben der Sprache. Letz|ter hat nur halb so viele Silben wie ver|gan|ge|ner – das geht einfach schneller von der Zunge und ist wahrscheinlich deshalb so beliebt. Im Gegensatz zum Ex-Freund…

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