Immer öfter „öfters“

Die Frageformulierung im ersten Artikel (“Cheers” und “tschüss” verwandt?) hat weiteren Klärungsbedarf verursacht:

Wie ist es zu erklären, dass zunehmend „öfters“ statt „öfter“ verwendet wird? Eine Effizienzverbesserung beim Sprechen kann hier ja kaum die Ursache sein.

Vorerst möchte ich den Begriff Effizienzverbesserung erläutern: Sprachen neigen dazu, im Verlauf immer unkomplizierter zu werden. Das kann man z. B. daran erkennen, dass wir heute nicht mehr mit Automobilen fahren und lieber ins Kino als in ein Lichtspieltheater gehen. Öfters ist länger als öfter und somit nicht effizienter.

Oft, öfter, am öftesten – das gibt es tatsächlich, klingt aber eher nach alter Dampflokomotive als nach stilvollem Deutsch. In geschriebener Form entscheidet man sich besser für die Formen von häufig.

Öfters kennt der Online-DUDEN zwar auch, allerdings nicht als standardsprachliches deutsches Wort, sondern als Bestandteil der österreichischen und schweizerischen Mundart sowie landschaftlicher Regiolekte (regionale Umgangssprachen).

Warum jedoch immer häufiger öfters verwendet wird, kann ich hier nur vermuten:

  1. Unter anderem wird öfters im Sinne von oftmals und vielmals gebraucht. Da die beiden ebenfalls auf -s enden, klingt öfters daneben doch ganz passabel, oder etwa nicht? Zumindest könnte bei manchen Sprechern der Eindruck entstehen, es sei so „richtiger“.
  2. Wenn öfters in Entsprechung zu oftmals gebraucht wird (den habe ich hier schon öfters gesehen), dient dies möglicherweise der Abgrenzung zum Komparativ (Steigerungsform) von oft (ich bin öfter hier als er).
  3. Durch die gewachsene Mobilität unserer Gesellschaft besteht ein erhöhter Sprachkontakt zwischen unterschiedlichen Regionen. Menschen fahren vom Land in die Stadt, von Deutschland in die Schweiz und nach Österreich wie auch umgekehrt. Dabei verbreitet sich öfters immer mehr und macht vor nichts und niemandem Halt.

Fassen wir zusammen: Häufiger ist schöner als öfter, öfter ist schöner als öfters. Dies bezieht sich allerdings auf das Geschriebene, im mündlichen Gebrauch ist dagegen alles möglich. Weiterhin ist zu beachten, ob öfters adverbial, also im Sinne von oftmals, oder komparativisch wie bei öfters als bzw. immer öfters gebraucht wird.

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3 Kommentare zu “Immer öfter „öfters“

  1. Ohne geprüft zu haben, ob öfters tatsächlich immer häufiger genutzt wird, habe ich fälschlicherweise die Feststellung des Fragestellers blind übernommen. Eine aufmerksame Leserin stellte fest, dass sich öfters schon in Sätzen bei Goethe findet. Nach genauerer Prüfung (Einsicht nur für dort angemeldete Personen) fand ich heraus, dass Goethe in 23 seiner Texte 171-mal öfters verwendet. Im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) kann man weiterhin eine Wortverlaufsstatistik erstellen, die anzeigt, dass öfters (zumindest in geschriebenen Texten) im Verlauf des 20. Jahrhunderts immer seltener verwendet wurde. Öfters scheint somit eher aus der Mode geraten, auch wenn über die aktuelle Entwicklung seit dem Jahr 2000 keine Aussage getroffen werden kann.

  2. Meines Wissens ist „öfters“ zumindest regional sehr beliebt. Wir gehen dort „öfters“ hin. Völlig normale Umgangssprache in Nordrhein-Westfalen und überhaupt Nord- und Westdeutschland. Also nicht nur im Süden und in Österreich. Zu den interessanten Vermutungen würde ich hinzufügen: Es geht wohl auch um die Tendenz des Imponieren-Wollens. Komparative und Superlative sind en vogue, und dazu scheint auch die eingebildete „Steigerung“ von oft über öfter hin zu öfters. Kaum jemand scheut sich in der Umgangssprache vor aufgebauschten Wortriesen wie „weitgehendst“ („weitgehend“ ist in der Regel weit genug) oder „zumindestens“, dem unschönen Hybrid aus „zumindest“ und „mindestens“. Das (leichte) Aufbauschen ist wohl öfters äh oft ein Antagonist oder einfach nur ein Gegenspieler zum Effizienzverhalten.

  3. Danke für die weitere, auch interessante Vermutung. Zu dem anderen Punkt: Ich komme aus NRW und höre dort auch öfter öfters. Aber ich hüte mich gern ein wenig davor, eigene Erfahrungen in den Blog einfließen zu lassen. Daher habe ich mich nur auf den Duden berufen. Natürlich ist auch der nicht allwissend. 😉

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